Vor der Kommunalwahl tauchen sie auf: Gerüchte aus Chatgruppen oder mündlichen Gesprächen – mit viel Emotion. Aber stimmen sie auch? In unserem Faktencheck unterziehen wir die Gerüchte, die die Redaktion erreichen, einer kurzen Überprüfung. Wenn Sie selbst ein Gerücht hören, das wir überprüfen sollen, schreiben Sie mir, und ich greife das Gerücht gern in einem weiteren Artikel auf.
Versorgung Kitaplätze
Gerücht: Über 100 Kinder stehen auf Kita-Wartelisten, und ihre Eltern wissen nicht, wann sie wieder arbeiten können.
Falsch! Aktuell stehen ein Krippenkind, 9 Kindergartenkinder und 2 Kinder in der nachschulischen Betreuung auf der Warteliste*. Das ist hervorragende Versorgung.
Tatsächlich musste die Stadt Haar in den letzten sechs Jahren einige nicht vorhersehbare besondere Herausforderungen bewältigen: Aus der Ukraine flohen Familien mit Kindern, die in die Kitas und Kindergärten integriert werden mussten. Seit dem Ende der Coronakrise gibt es deutlich mehr Integrationskinder als zuvor, und da ein Integrationskind intensivere Betreuung und damit drei „normale“ Plätze benötigt, steigert dies den Platzbedarf. Zudem sahen sich zwei Haarer Kitas in privater Hand kurzfristig nicht mehr in der Lage, den Betrieb weiter sicherzustellen. In diesen beiden Fällen sprang die Stadt ein und schuf sehr kurzfristig an Stelle der bisherigen Einrichtungen selbst zwei neue, um den betroffenen Familien weiter Plätze anzubieten. Durch eine intensive Kita-Personal-Anwerbekampagne ist es der Stadt gelungen, die für die zusätzlichen Gruppen nötigen Betreuerinnen zu gewinnen. Trotz der genannten Schwierigkeiten hat sich keine lange Warteliste aufgebaut, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre.
* Quelle: Stadtratssitzung am 30.09.2025
Schulcampus im ehem. MSD-Gebäude
Gerücht: Der Stadt Haar entgehen Gewerbesteuer-Einnahmen, die man bekommen könnte, wenn man das ehemalige MSD-Gebäude wieder an Firmen vermietet. Den Schulcampus aus Realschule/FOS/BOS hätte man besser auf der grünen Wiese gebaut.
Falsch! Das Gebäude steht inzwischen schon seit Ende 2021 leer, trotz intensiver Vermarktung hat sich kein Interessent gefunden. Es gibt in Haar weitere leerstehende große Büroflächen (z. B. im „8inOne“)*, an mangelndem Büroflächen-Angebot scheitert eine Gewerbeansiedlung nicht. Die Firmen, die Interesse an Haar signalisieren, suchen Produktionsstandorte und nicht nur reine klassische Büroflächen. Da eine Vermietung an Firmen nicht gelungen ist, wurden bereits andere Nutzungen wie eine Flüchtlingsunterkunft diskutiert. Eine solche Nutzung – wäre angesichts der bereits großen Zahl in Haar untergebrachter Flüchtlinge – nicht im Interesse der Stadt. Bestehende Gebäude sinnvoll weiter zu nutzen ist ein wesentliches Element der Kreislaufwirtschaft, die die Stadt Haar umsetzen will – klima- und umweltschonend. Der Standort wäre zudem wegen der Nähe zur S-Bahn und zum Sport- und Freizeitpark für eine Schule ideal. Ein bestehendes Gebäude zu nutzen ist zudem etwas günstiger als auf der grünen Wiese neu zu bauen. Die endgültige Entscheidung für oder gegen das Gebäude muss erst in einem offiziellen Vergabeverfahren getroffen werden.
Jugendtreff DINO vs. Kita am Wieselweg
Gerücht: Da die Kita am Wieselweg in eingeschossiger Bauweise gebaut werden soll, wird der Platz für Aktivitäten des benachbarten Jugendtreff DINO knapp. Das Beachvolleyballfeld würde entfallen, das populäre „Hüttenbauen“ des DINO müsse künftig aus Platzgründen entfallen.
Falsch! Tatsächlich soll die Kita zwar wachsen, so dass das Volleyballfeld verlegt werden muss. Es wird verlegt – nicht entfallen. Beim Verlegen wird es sogar größer und wird dann den genormten Maßen eines Beachvolleyballfeldes entsprechen. Auch für das „Hüttenbauen“ gibt es weiterhin genug Platz: Wer schon einmal am Wieselweg vor Ort war, weiß, dass es hier an Platz wahrlich nicht mangelt. Die Organisatoren des „Hüttenbauens“ haben gegenüber der Stadt Haar versichert, dass sie es auch 2026 wieder anbieten wollen – auf der Wiese südlich des DINO. Die Kita am Wieselweg wird aus pädagogischen, umweltpolitischen und Versorgungsgründen eingeschossig gebaut: Räume auf der gleichen Ebene sind für Kinder leichter erreichbar und behindertengerecht. Die angestrebte Bauweise aus materialgesunden Holzelementen ist natürlich und umweltfreundlich, das Gebäude kann für eine spätere Nachnutzung umgebaut oder sogar komplett abgebaut werden (klimafreundliche Kreislaufwirtschaft), ein zweistöckiges Gebäude müsste einen Aufzug und ein Treppenhaus aus Stahlbeton beinhalten. Um die Versorgung mit Kitaplätzen in Haar sicherzustellen, bevorzugt die Stadt eine schnelle Bauweise, eine zweistöckige Bauart würde länger dauern und wäre um einen mittleren sechsstelligen Betrag teurer.
Feuerwehr vs. „Rodelhügel“
Gerücht: Die Feuerwehr Haar bekommt einen zweiten Standort in der Blumenstraße. Der „Rodelhügel“ am Eck Gronsdorfer/Blumenstraße wird dabei überbaut.
Richtig! Um im Notfall in Haar-West, Gronsdorf und Salmdorf schneller anrücken und die rechtlich vorgegebene Hilfsfrist von 10 Minuten einhalten zu können, benötigt die Feuerwehr Haar im westlichen Teil von Haar einen zusätzlichen Standort für zwei Fahrzeuge und Geräte. Die Stadt hatte der Feuerwehr ein auf 5 Jahre befristetes Provisorium im Gewerbehof der Blumenstraße ermöglicht, mit dem überprüft wurde, ob die genannten Vorteile auch wirklich eintreten. Das ist der Fall, und nun wird eine dauerhafte Lösung für ein zweites Feuerwehrhaus gesucht. Das Eck Gronsdorfer/Blumenstraße ist günstig, weil dort auf einem Grundstück, das der Stadt Haar gehört, ein dauerhafter zweiter Standort für unsere Feuerwehr geschaffen werden kann, der zudem ein schnelles Ausrücken ohne Rangiermanöver möglich macht und ausrückende Fahrzeuge nicht anfahrende Aktive kreuzen. Durch den Klimawandel kann man leider nur noch selten im Winter vor der Haustür Schlittenfahren. Sollte es im Winter einmal eine geschlossene Schneedecke haben, rodeln die meisten Haarer Kinder am liebsten am „Affenberg“, den es natürlich weiterhin geben wird. Geheimtipp: die längste und beste Rodelabfahrt befindet sich im Wäldchen nordöstlich des Klinikgeländes. Dort ist es auch sehr schön, spazieren zu gehen.