Die Gewerbeentwicklung auf der Fläche südlich der Wasserburger Str. und östlich der Grasbrunner Str., also der sogenannten „Finckwiese“, wird in den kommenden Jahren eines der zentralen Projekte unserer Stadt sein. Die Entwicklung eines solchen Areals bringt natürlich Fragen mit sich, deren häufigste hier zusammengestellt sind und von mir als Bürgermeister beantwortet werden.
„Warum beschäftigt sich die Stadt Haar gerade jetzt mit der Entwicklung der Finckwiese?“
Seit Jahren verzeichnen wir im Verwaltungshaushalt ein Defizit. Wir geben also mehr aus, als wir einnehmen. Damit ist der Haushalt nicht ausgeglichen und unsere Rücklagen schwinden. Kurz gesagt, wir leben vom Eingemachten. Das geht noch eine Zeitlang gut, aber wenn wir auch in Zukunft in alles was Haar so lebenswert macht, also Bäder, Kultur, Unterstützung für Vereine, investieren wollen, dann müssen wir unsere Einnahmen deutlich steigern. Die Gewerbesteuer ist dabei ein zentraler Faktor.
Die Erfahrung unserer Wirtschaftsförderung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass Unternehmen, die investieren wollen, Bedarfe haben, die in Richtung Forschung, Entwicklung, Fertigung und Produktion gehen. Reine Bürostandorte sind kaum nachgefragt. Diese Unternehmen haben klare Vorstellungen und einen straffen Zeitplan. Meist im Bereich zwei bis drei Jahre bis zur Fertigstellung. Bis zum Einzugstermin. Wenn wir solche Unternehmen ansiedeln wollen, müssen wir uns erstens klar werden, was wir wollen, und, zweitens, die rechtlichen Voraussetzungen für eine Ansiedlung schaffen. Das bereiten wir nun adäquat vor.
„Warum wurde aus Sicht der Stadt genau dieses Grundstück – in dieser Lage, in dieser Fläche und in dieser Größe – für eine Planung ausgewählt?“
Die Fläche ist optimal angebunden, kann im Sinne unserer Leitlinien für Nachhaltiges Planen & Bauen gut entwickelt werden, bietet Reservemöglichkeiten und hat einen Eigentümer, der in Haar seit Jahrzehnten gut bekannt ist. Zudem, vielleicht das Wichtigste, ein Eigentümer, der den Bestand, also die entstehenden Gebäude, halten will, also als langfristiger Partner denkt, und damit auch die Zukunft im Fokus hat, nicht nur den schnellen Profit.
„Warum wird das Quartier nicht auch für Wohnungsbau genutzt?“
Der Einkommensteueranteil, den wir als Bürger alle beisteuern, deckt, selbst im Idealfall, den finanziellen Bedarf, den wir haben, nicht ab. In Haar wurden in den vergangenen Jahren hunderte von Wohnungen fertiggestellt. So dringend Wohnungen im Großraum München gebraucht werden, wir in Haar brauchen Gewerbe, brauchen Arbeitsplätze, brauchen höhere Einnahmen. Deshalb, an dieser Stelle, klarer Fokus auf Gewerbe.
„Welchen Mehrwert soll dieses Projekt langfristig – über die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre – für die Stadt Haar haben?“
Erstens: Wir brauchen Flexibilität. Die entstehende Bebauung muss so flexibel sein, dass auch ein Nutzerwechsel problemlos möglich ist, weil die Substanz schnell und unkompliziert angepasst werden kann. Wir haben im Falle von MSD, dem große Pharmaunternehmen, das Haar vor längerer Zeit verlassen hat, gesehen, dass ein Gebäude, das nicht für die Zukunft geplant wird, sondern ausschließlich auf den Bedarf eines Nutzers zugeschnitten wird, nach Nutzungsende kaum vermarktbar ist. Und zudem keine 25 Jahre in Nutzung war, trotzdem aber technisch hoffnungslos veraltet ist. Das darf nicht mehr passieren.
Zweitens: Es soll ein Areal entstehen, dass nicht wie 2016 bei Interesse seitens BMW als Monoblock, als großer, grauer Betonkasten, abgeschottet in der Landschaft stehen sollte, also die Bürger nichts davon haben, sondern ein offenes Quartier mit Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und einem schönen Platz, kurz gesagt, ein Quartier das tatsächlich Mehrwert für die kommenden Jahrzehnte schafft, für Mensch und Tier.
„Welche Verantwortung trägt der Stadtrat bei solchen Entscheidungen – auch im Hinblick auf die finanzielle Absicherung der Stadt?“
Eine ebenso große, wie bei allen gewerblichen Entwicklungen in der Vergangenheit. Hinzu kommt, dass die zukünftigen Gegebenheiten, also die Bedarfe der Unternehmen, berücksichtigt werden und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wird. Was nützt uns ein schönes Gebäude, das keiner haben will? Wir tragen als Stadtrat Verantwortung dafür, dass das, was wir heute planen, auch morgen und übermorgen noch funktioniert und so auch für die Zukunft hohe Einnahmen generiert werden. Letztlich geht es um die Interessen unserer Bürger und der Stadtrat ist die Interessenvertretung der Bürger.
„Aktuell gibt es noch keinen konkreten Interessenten für die Finckwiese. Wie geht die Stadt mit dieser Situation um?“
Das ist genau der Punkt und in diesem Planungsstadium völlig normal. Es gab immer wieder Interessenten. Wir sind aber ohne eine klare Planung, ohne ein rechtlich gesichertes Gewerbegebiet und ohne ein Bebauungsplanverfahren, das die wesentlichen Dinge bereits geklärt hat, also Verkehr, Maß der Bebauung, Höhenentwicklung etc., nicht in der Lage die zeitlichen Vorgaben zu erfüllen. Deshalb gehen wir nun diesen Weg. Dennoch wird erst gebaut werden können, wenn ein passendes Ankerunternehmen gefunden ist. Denn die Idee ist, dass eine vielversprechende Ansiedlung vor allem auch weitere Ansiedlungen nach sich zieht und ein Cluster entsteht, der durch seine Vielseitigkeit unsere Steuereinnahmen auf mehrere Füße stellt.
Um möglichst vielversprechende Ansiedlungen generieren zu können, sprechen wir Unternehmen in Deutschland seit längerer Zeit auch direkt über unsere Wirtschaftsförderung an. Aktuell sind wir mit einem Interessenten aus dem Bereich Medizintechnik im Gespräch.
Seit Ende vergangenen Jahres sind wir auch international unterwegs, indem wir die Generalkonsulate samt deren Wirtschaftsreferenten ansprechen. Begonnen haben wir im Raum Asien und das erste Gespräch mit Indien war bereits ein Erfolg. Es folgen China, Süd-Korea, Japan und Singapur. Ich bin also zuversichtlich, dass wir im Laufe der zweiten Hälfte dieses Jahres eine erste Ansiedlung werden bekannt geben können.
„Was ist außerdem wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen sollten?“
Mir als Bürgermeister ist wichtig, dass alle Bürger sämtliche Informationen bekommen und so nachvollziehen können, weshalb wir so vorgehen, wie wir es tun und vor allem klar wird, dass wir dieses Projekt möglichst zukunftsfähig gestalten wollen. Wenn wir eines aus der Vergangenheit lernen können, dann, dass nicht das vermeintlich Starke überdauert, sondern dasjenige mit der größten Flexibilität, das auf Entwicklungen gut reagieren kann und durch Vielseitigkeit, resilient, also widerstandsfähig ist.
Wir wollen hier das Beste für uns alle rausholen. Dass das mit Unannehmlichkeiten für manche von uns, insbesondere für die Anwohner einhergeht, sage ich klar und offen. Für die Zukunft brauchen wir aber weitere potenzielle Gewerbeflächen, wenn wir den gewachsenen Bedarf unserer Stadt decken wollen. Das tun wir hier. Für starke Finanzen auch in der Zukunft, damit Haar so lebenswert bleibt, wie es ist und auch ausgebaut werden kann. Mit vollem Einsatz, mit voller Kraft, nicht für eine Handvoll, sondern für uns alle hier in Haar.