Haar ist eine Stadt in Bewegung: Mit einem leidenschaftlichen und zugleich vorausschauenden Vortrag hat Bürgermeister Andreas Bukowski bei einer Ortsteilveranstaltung im Bürgerhaus die Entwicklungen in Unterhaar, dem Musikerviertel und der Tannenhofsiedlung skizziert – von Kita bis Energieversorgung, von Leibstraße bis Gewerbeansiedlung auf der Finckwiese.
„2025 ist ein Jahr der Aufbrüche – als neue Stadt wollen wir Haar sichtbar machen. Nicht nur auf der Landkarte, sondern im Herzen unserer Bürger und Gäste“, so Bukowski. Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Stadterhebung nicht nur Symbol sei, sondern auch Schubkraft, Innovationen und Anreiz für konkrete Projekte bedeute.
Die Gemeinde will auf der „Finckwiese“ ein Gewerbegebiet entwickeln
Klar wurde aber auch gleich zu Beginn: Um die vielfältigen Einrichtungen und das lebendige Haarer Leben – von Kitas, Schulen, Vereinen, Bädern bis zu Nachbarschaftshilfe und Musik, aber auch die Grundversorgung – am Laufen zu halten und im besten Fall auch weiterentwickeln zu können, ist eine solide Finanzausstattung notwendig. Die derzeitige Gewerbesteuer in Höhe von 14 Millionen Euro reiche für eine verlässliche Finanzierung in der Zukunft nicht aus, mahnte der CSU-Ortsvorsitzende Dr. Dietrich Keymer. Zurücklehnen und Abwarten, bis sich potentielle Unternehmen für den Standort interessieren, sei zu wenig. An einer Niederlassung interessierten Unternehmen müsse kurzfristig etwas angeboten werden können. Darum müsse die Stadt jetzt planerisch tätig werden. Und hier kommt die „Finckwiese“ ins Spiel – ein 8,6 Hektar großes Gewerbegebiet an der Kreuzung von Wasserburger Straße und Vockestraße.
Wie soll Haar morgen aussehen? Engagierte Bürger aus Unterhaar, dem Musikerviertel und der Tannenhofsiedlung beteiligen sich und gestalten die Zukunft ihrer Stadt mit.
Dr. Dietrich Keymer erläuterte den Hintergrund: Haar ist inzwischen auf fast 25.000 Einwohner gewachsen, hat aber mit etwas über 13 Quadratkilometern sehr wenige für Gewerbe geeignete Flächen. 2018/2019 verlor Haar seine zwei größten Gewerbesteuerzahler. Andere Grundstücke als die „Finckwiese“ sind verkehrsmäßig schwierig zu erschließen, so dass die Gemeinde auf einem Teil der aktuell als Acker genutzten Fläche Gewerbe ansiedeln will.
Mit innovativen Energieprojekten wie Geothermie, Fernwärme und Solarstrom verfolgt Haar konsequent das Ziel der Klimaneutralität. „Unsere Wärme kommt künftig aus der Tiefe – für eine nachhaltige Zukunft, die auch wirtschaftlich trägt. Für Strom zapfen wir die Sonne an.“ Dazu hat Haar zwei Gesellschaften gegründet. Für die Vernetzung der Fernwärme werden zwei neue Grundwasserpumpen in Eglfing eingesetzt. Sie versorgen in einem ersten Schritt Rathaus, Bürgersaal und Schulen und voraussichtlich ab etwa 2030 auch private Abnehmer.
Größeres Angebot für Kinderbetreuung
Im AWO Hort „Pusteblume“ in der Rechnerstraße finden ab 2027 vier (statt bisher zwei) Gruppen Platz. Bukowski sieht das Geld gut angelegt: „Das ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder“.
Haar sorgt auch für die Schaffung günstigen Wohnraums: Im Musikerviertel steht die Weiterentwicklung des Wohnareals an der Johann-Strauß-Straße 1 – 5 ganz oben auf der Agenda. Die Baugesellschaft München Land soll es in Holz-Hybrid-Modul-Bauweise umsetzen. Damit kann die Bauzeit verkürzt und die Kosten begrenzt werden. „Wir gestalten nicht nur Raum, wir schaffen Heimat“, betonte Bukowski, der dabei stets eine umsichtige, aber effektive Kostenkalkulation im Blick behält.
Die Neugestaltung soll die Leibstraße lebendiger machen
Auch die lebendige Gestaltung der Leibstraße mit hoher Flexibilität liegt Bukowski am Herzen. Er wünscht sich „eine Straße, die verbindet – zum Einkaufen, Verweilen und Begegnen.“ Deswegen soll es Freischankflächen für Cafés und Restaurants geben, gleichzeitig will die Gemeinde weiterhin Stellplätze ausweisen. Die meisten Teilnehmer wirkten froh, dass Bukowski dem Drängen der Grünen nicht nachgegeben hat, alle Stellplätze in der Leibstraße abzuschaffen.
Den neuen „Busbahnhof light“ mit einer neuen Bike-and-Ride-Anlage bezeichnete der Bürgermeister als „kleinen, aber wichtigen Meilenstein für geordnete Mobilität“. Nachdem sich die Stadt mit den neuen ExpressBus Linien zu einer echten Mobilitäts-Drehscheibe im Landkreis entwickelt habe, seien Verbesserungen dringend notwendig. Trotz knapper Mittel zeigt sich Haar dabei als ideenreiche Kommune: „Wir bauen nicht groß, aber klug.“
In der sich anschließenden lebhaften Diskussion nahmen die Entwicklung auf und an der Finckwiese, die Verkehrssituation insbesondere für Schulkinder an der Vockestraße, der B304 und an der Konradschule großen Raum ein. Ich gehe aus dem Abend mit Zuversicht heraus – die vorgestellten Ideen werden Haar bewegen und weiter lebendig und liebenswert machen. Christina Stangl – Der Artikel erschien im „Haarer“, Ausgabe 2/25 (hier klicken für weitere Ausgaben).