Wenn Freiheit Räder bekommt – und Regeln braucht Gedanken zum Thema E-Scooter

Mal lehnen sie brav am Straßenrand, mal stehen sie quer auf dem Gehweg, manchmal sogar mitten im Grünen: die bunten Elektroroller, die inzwischen fast überall im Stadtgebiet zu sehen sind. Für die einen sind sie praktische Helfer, für andere schlicht ein optisches oder gar ein Sicherheits-Ärgernis.

Wer in Haar unterwegs ist, kommt an ihnen kaum vorbei – im wahrsten Sinne des Wortes. Mal lehnen sie brav am Straßenrand, mal stehen sie quer auf dem Gehweg, manchmal sogar mitten im Grünen: die bunten Elektroroller, die inzwischen fast überall im Stadtgebiet zu sehen sind. Für die einen sind sie praktische Helfer, für andere schlicht ein optisches oder gar ein Sicherheits-Ärgernis.

Seit Kurzem sind die MVG-Radl Geschichte. Sie waren nicht gerade billig für die Haarer Steuerzahler – rund 50.000 Euro musste die Stadt jährlich zuschießen. Stattdessen surren nun die kleinen Flitzer durch fast alle Ortsteile. Neben dem Anbieter „Lime“ ist auch „Voi“ aktiv, und die privaten Anbieter haben ihre Gebiete bis nach Gronsdorf und Unter-Haar ausgeweitet – ohne kommunale Zuschüsse. Per App lassen sich die E-Roller und Bikes orten, ausleihen und am Ziel abstellen – theoretisch jedenfalls. In der Praxis bedeutet das manchmal: mitten auf dem Radweg oder „vor dem Gartentürl“, wie eine Bürgerin auf der Ortsteilversammlung in Haar-West beklagte. So unterschiedlich die Erfahrungen sind, ein Punkt eint fast alle: Wer spätabends von der S-Bahn kommt, freut sich über die schnelle, unkomplizierte Fahrt nach Hause. Die Roller bieten auf diesen „letzten Metern“ eine Flexibilität, die bisher fehlte – praktisch, spontan und ohne lange Wege.

Hier tun sich große Chancen auf, wenn die Nutzung und das Abstellen der neuen Fahrzeuge richtig kanalisiert werden. Denn: Mobilität braucht Regeln und gleichzeitig eine geordnete Verteilung der Fahrzeuge im Stadtgebiet. In einem ersten Schritt wurden daher die Betreiber aufgefordert, in einem Umkreis von 100 Metern um die festen Parkzonen, kein freies Abstellen mehr zu erlauben. In einem zweiten Schritt ist geplant, dass das Abstellen der E-Scooter und Bikes dann nur noch in festen Parkzonen in einem festgelegten Radius um bebaute Ortsgebiete herum erfolgt.

Zunächst wird das System rund um den Bahnhof getestet, bevor es auf weitere Bereiche ausgeweitet wird. So entsteht ein ausgewogenes Konzept: Ordnung im öffentlichen Raum, gleichzeitig Freiheit für die Nutzer. Die Roller werden zu einem echten Baustein des Haarer Verkehrskonzepts – flexibel, zuverlässig und ohne öffentliche Subventionen. Anders als die hochsubventionierten MVG Räder, die meistens ungenutzt ohne größere Nachfrage in ihrer Station blieben.

Neue Mobilität kann gemeinsam mit privatwirtschaftlicher Initiative funktionieren, wenn man sie klug steuert: praktisch, nutzerfreundlich und sicher – und ohne dass das Stadtbild darunter leidet. Und das Beste zum Schluss: Da, wo keine Subventionen erforderlich sind, kann das eingesparte Geld auch gut in andere Bereiche investiert werden – für ein lebens- und liebenswertes Haar! Tina Stangl